Dämmfarbe: was davon stimmt
Wer nach Erfahrungen sucht, hat meist schon drei Anbieter gesehen, die 65 Prozent versprechen. Diese Seite nennt die Zahlen, die wir belegen können – und sagt genauso deutlich, was daraus nicht folgt.
Die Zahlen, die es gibt
Die Werte gelten für den geprüften Aufbau unter den dort herrschenden Bedingungen. Messungen & Nachweise
Was Leute vor dem Kauf fragen
- Funktioniert Dämmfarbe wirklich?
- In einem Prüfstandsversuch ja, in nachweisbarem Umfang: Ein mehrschichtiger Wandaufbau brauchte unbeschichtet 6,58 kWh je 24 Stunden, mit der Beschichtung innen und auf der Fassade 4,08 kWh – 38 Prozent weniger. Nur innen beschichtet waren es 4,38 kWh, also 33 Prozent. Ein parallel geprüfter Aufbau mit 100 mm Polystyrol lag bei 4,48 kWh. Das gilt für diesen Aufbau unter diesen Bedingungen. Ob und wie viel davon an einem bewohnten Haus ankommt, hängt vom Bestand ab und ist damit nicht belegt.
- Ersetzt Dämmfarbe eine Dämmung?
- Nein. Für einen Nachweis nach dem Gebäudeenergiegesetz braucht es einen Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit nach DIN 4108-4. Die Norm EN 15824, nach der solche Beschichtungen geprüft werden, liefert keinen. Wer eine Förderung oder einen rechnerischen Nachweis braucht, kommt an einem klassischen Dämmstoff nicht vorbei.
- Woran erkenne ich unseriöse Angaben?
- An drei Dingen. Erstens: eine Prozentzahl ohne Angabe, woran und unter welchen Bedingungen gemessen wurde. Zweitens: „entspricht X cm Dämmung“ – dieser Vergleich setzt einen Bemessungswert voraus, den es nicht gibt. Drittens: ein U-Wert für die Farbe selbst. Ein U-Wert beschreibt ein Bauteil, nie einen Anstrich.
- Warum kursieren so hohe Prozentzahlen?
- Häufig, weil aus Wärmebildern gerechnet wird. Sinkt eine gemessene Oberflächentemperatur von 2,8 auf 1,8 Grad Celsius, sieht das nach 36 Prozent aus. Dieselben Temperaturen in Kelvin ergeben 0,36 Prozent, in Fahrenheit 4,9 Prozent. Ein Prozentwert, der von der gewählten Einheit abhängt, beschreibt nichts Physikalisches. Dazu kommt: Zwei Aufnahmen an verschiedenen Tagen sind nur vergleichbar, wenn Außen- und Raumtemperatur beider Termine bekannt sind.
- Wofür lohnt sich eine Beschichtung dann?
- Für eine wärmere Innenoberfläche und den Abstand zum Taupunkt. An einem Wohnhaus von 1900 wurden bei 0 Grad Celsius außen 19 Grad Celsius an der Innenwand gemessen; rechnerisch zu erwarten gewesen wären 12,9 Grad. Das ist der Bereich, in dem Schimmel entsteht oder eben nicht. Dazu kommen Fälle, in denen eine Dämmung baulich ausscheidet – Fachwerk, Denkmalschutz, zu enge Anschlüsse.
Wie Sie ein Angebot beurteilen
- Steht bei jeder Zahl, woher sie stammt? Bericht, Nummer, Datum, Prüfstelle. „Herstellerangabe“ ist keine Quelle.
- Gibt es eine Leistungserklärung nach EN 15824? Sie ist nach Art. 11 der EU-Bauproduktenverordnung Pflicht und nennt Brandverhalten, Wasseraufnahme und Haftzugfestigkeit. Unsere steht aufPrüfungen & Erklärungen.
- Wird ein U-Wert für das Produkt genannt? Dann ist Vorsicht angebracht – diese Größe gibt es für einen Anstrich nicht.
- Wird eine Einsparung garantiert? Eine Garantie über etwas, das vom Nutzerverhalten abhängt, ist im Streitfall wenig wert.
- Nennt jemand Kammern oder Behörden als Befürworter?Prüfen Sie das nach. Eine Behörde empfiehlt keine Produkte.
Was eine angenommene Einsparung in Euro bedeutet, rechnet derHeizkostenrechner aus – mit Ihrer eigenen Annahme. Den Materialbedarf ermittelt der Materialrechner. Wo Beschichtung gegen Schimmel hilft, steht unterSchimmel.
PScoat ist eine thermoreflektierende Dünnschicht-Beschichtung und kein Dämmstoff im Sinne des Gebäudeenergiegesetzes; einen U-Wert-Nachweis ersetzt sie nicht. Was geprüft ist
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